Mehrfamilienhaus-Faktor

Multiplikator verstehen, richtig einordnen & realistisch anwenden

Mehrfamilienhaus-Faktor

Multiplikator verstehen, richtig einordnen & realistisch anwenden

Der sogenannte Faktor (Multiplikator) ist eine der zentralen Kennzahlen bei der Bewertung von Mehrfamilienhäusern. Er zeigt, mit welchem Vielfachen der Jahresnettokaltmiete eine Immobilie am Markt gehandelt wird und dient als schnelle Orientierung für den Immobilienwert.

In der Praxis wird der Faktor häufig verwendet, ist jedoch auch eine der häufigsten Ursachen für Fehleinschätzungen – insbesondere dann, wenn objektspezifische Besonderheiten nicht ausreichend berücksichtigt werden.

00 – Inhalt


01 – Was ist der Faktor bei einem Mehrfamilienhaus?


Der Faktor beschreibt das Verhältnis zwischen Kaufpreis und Jahresnettokaltmiete:

Faktor = Kaufpreis / Jahresnettokaltmiete

Er dient als Multiplikator für die überschlägige Wertermittlung:

Immobilienwert = Jahresnettokaltmiete × Faktor

02 – Brutto-Multiplikator vs. Netto-Multiplikator


Brutto-Multiplikator (Praxisstandard)

In der Praxis wird nahezu ausschließlich der sogenannte Brutto-Multiplikator verwendet.

Dieser basiert auf:

  • der Jahresnettokaltmiete
  • ohne Berücksichtigung von Erwerbsnebenkosten
  • ohne Abzug nicht umlagefähiger Bewirtschaftungskosten

Das bedeutet:

Kosten wie Verwaltung, Instandhaltung oder Mietausfallrisiken werden nicht direkt im Faktor berücksichtigt. Dadurch ist er einfach zu berechnen und gut vergleichbar, aber nur begrenzt aussagekräftig.

Netto-Multiplikator (theoretischer Ansatz)

Der Netto-Multiplikator berücksichtigt zusätzlich:

  • Erwerbsnebenkosten
  • nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten (z. B. Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfallwagnis)

Er wird jedoch in der Praxis deutlich seltener verwendet, da:

  • die Datenbasis oft unsicher ist
  • der Aufwand höher ist
  • die Vergleichbarkeit eingeschränkt wird

In professionellen Bewertungen fließen die nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten indirekt über das Ertragswertverfahren ein.

03 – Typische Faktoren im Markt


Die Höhe des Faktors variiert stark nach Standort und Objektqualität:

  • Top-Lagen: ca. 20 – 30+
  • gute Lagen: ca. 16 – 20
  • durchschnittliche Lagen: ca. 12 – 16
  • einfache Lagen: ca. 8 – 12

Diese Werte sind jedoch stark von Marktphasen und Zinsniveau abhängig.

04 – Welche Faktoren beeinflussen den Multiplikator?


Lage

Der wichtigste Einflussfaktor – Nachfrage, Infrastruktur und Entwicklungsperspektiven bestimmen den Markt.

Zustand

Sanierungsbedarf führt in der Regel zu Abschlägen beim Faktor.

Mietniveau

Hohe oder unterdurchschnittliche Mieten beeinflussen die Einschätzung erheblich.

Entwicklungspotenzial

Nicht ausgeschöpfte Mieten können den Faktor erhöhen.

Leerstand

Erhöht das Risiko und reduziert den Faktor.

Objektstruktur

Größe, Zuschnitt und Mieterstruktur spielen ebenfalls eine Rolle.

Marktzinsen

Niedrige Zinsen verstärken, hohe Zinsen verringern tendenziell die Nachfrage nach Immobilien.

05 – Typische Fehler bei der Anwendung


  • Übertragung von Faktoren aus anderen Städten
  • Nutzung veralteter Marktwerte
  • Ignorieren von Sanierungsbedarf
  • unrealistische Einschätzung von Mietsteigerungen
  • fehlende Berücksichtigung von Risiken

Besonders häufig: „Durchschnittsfaktor aus dem Internet“

06 – Warum der Faktor allein nicht ausreicht


Der Faktor ist eine hilfreiche Kennzahl – ersetzt jedoch keine fundierte Bewertung.

Er berücksichtigt nicht:

  • individuelle Objektmerkmale
  • rechtliche Rahmenbedingungen
  • zukünftige Entwicklungen
  • Risiken und Unsicherheiten

07 – Individuellen Faktor professionell ermitteln


Eine fundierte Bewertung berücksichtigt alle objektspezifischen Faktoren und ermittelt einen realistischen Multiplikator.

08 – Fazit: Faktor als Orientierung – nicht als alleinige Grundlage


Der Multiplikator ist ein nützliches Werkzeug zur schnellen Einschätzung, sollte jedoch immer im Kontext betrachtet werden.

Eine realistische Bewertung erfordert eine ganzheitliche Betrachtung des Objekts und des Marktes.

Ihr nächster Schritt zur professionellen Bewertung


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